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Baumaterial & Werkzeuge

Heimwerken, auch DIY (Do-It-Yourself) genannt, erlebt derzeit seinen Aufschwung. Statt an den Badesee oder ins Kino zu gehen, verbringen die Schweizer ihre Freizeit lieber damit im eigenen Haus oder Garten anzupacken. So konnten die Bau- und Heimwerkermärkte allein im Jahr 2014 1,91 Milliarden Euro Umsatz generieren. Neben Coop Bau & Hobby, Jumbo, Do it + Garden, Obi und Hornbach, befinden sich vor allem gratis Inserate und Kleinanzeigen im Internet auf dem Vormarsch. Der Heimwerkerboom ist für die Branche ein echter Segen. Doch was macht die freiwillige Arbeit an Haus und Garten eigentlich so beliebt?

Selbst anpacken und die Kontrolle übernehmen – DIY wird zum Trend
85 Prozent der Schweizer verbringen ihre Freizeit gerne mit dem Streichen, Gärtnern oder Bauen auf dem eigenen Grundstück. Vor allem Männer treiben den derzeitigen Trend voran und geben jährlich rund 800 Franken für ihr Hobby aus. 663 Franken sind es immerhin noch bei den Damen. Im Vergleich zu der Zeit, welche die Schweizer ins Heimwerken investieren, ist das eigentlich ziemlich wenig. Kein Wunder, schliesslich geht es beim Do-It-Yourself ja ums Sparen, und zwar nicht nur an den Handwerkerkosten, sondern auch beim Material. So werden Farben selbst angemischt, Holz eigenhändig bearbeitet und Kommoden kurzerhand zusammen gehämmert. Auf zahlreichen Internetplattformen oder durch gratis Inserate und Kleinanzeigen im Internet, können sich die Heimwerkerfans zudem untereinander austauschen und günstiges Baumaterial oder Werkzeug erstehen.

DIY-Communities verändern die Grossstädte

Fakt ist: Selbstgemachtes lässt uns Glückshormone ausschütten und macht auf Dauer glücklich. Vor allem in Grossstädten scheint sich das mehr und mehr bemerkbar zu machen. Hier, wo es an Grün fehlt und viele Menschen einen eigenen Garten vermissen, entstehen jetzt riesige Gemeinschaften, die gemeinsam „Urban Gardening“ betreiben. So werden jede Dachterrasse, jeder Balkon und jeder freier Fleck in der Stadt mit schönen Pflanzen geschmückt und sollen zugleich die Luft für die Stadtbewohner wieder verbessern. Im Aufschwung befinden sich ebenso die sogenannten Repair Cafés, wo sich Heimwerker treffen, austauschen und direkt zusammen an einem Objekt arbeiten können. Weshalb? Psychologen vermuten die Gründe für den neuen Trend in der sich wandelnden Arbeitswelt. Die meisten Menschen sind nämlich mittlerweile weit entfernt vom Endprodukt tätig. Ein Angestellter in der Automobilfirma zum Beispiel, kommt meist nur mit dem PC, niemals aber wirklich mit dem fertigen Auto in Berührung. In einer Welt aus Industrialisierung und Arbeitsteilung ist das kein Einzelfall mehr. Die Menschen sehnen sich also wieder danach, das handfeste Ergebnis ihrer Arbeit zu sehen, ja am besten sogar praktisch verwenden zu können. Der Moment, in welchem der Heimwerker dann seine Socken in die eigens gebaute Kommode einräumt, ist ein Moment voller Glück und Stolz.

Heimwerken macht glücklich – aber wieso?

Warum uns Heimwerken so glücklich macht, geht laut Experten aber sogar noch tiefer. Es geht um das Gefühl die Kontrolle zu übernehmen, der eigene Chef zu sein und ein echter Experte im eigenen Heim zu werden. Zudem ist die DIY-Branche eine sehr kreative. Niemand schreibt den Heimwerkern vor, was sie herzustellen oder zu reparieren haben und wie. Der künstlerische Aspekt ist deshalb ein optimaler Ausgleich zum meist nüchternen Berufsleben. Heimwerken ist damit ein Ausdruck von Individualität und Kreativität. Kein Wunder also, dass es sich derzeit nicht um den ersten Aufschwung dieser Art handelt. Das Heimwerken erlebt in regelmässigen Abständen solche Wellen, die Schweizer immer ganz vorne mit dabei. Das wird wohl auch noch für lange Zeit so bleiben…